Der Vorsteher der Gemeinde Völklingen, Evangelist Stephan Petri, und seine Frau Christina feierten am Sonntag, 30. August 2026, ihre Silberhochzeit unter ganz besonderen Vorzeichen. Apostel Gert Opdenplatz, der das Paar vor 25 Jahren getraut hatte, war gekommen, um ihm auch den Segen zur Silberhochzeit zu spenden. Und als besondere Überraschung hatten sich auch einige Sängerinnen und Sänger des Chores, der im Jahr 2001 zur Trauung gesungen hatte, zusammengefunden und trugen drei Lieder aus ihrem damaligen Repertoire vor - sehr zur Freude aller Anwesenden.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand ein Wort aus dem Buch Jesaja: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Jesaja 42,3). Die Predigt machte deutlich: Gottes Liebe gilt besonders Menschen, die sich müde, verletzt, überfordert oder im Glauben unsicher fühlten.
Hoffnung für Schwache
Der Apostel lud zunächst zur inneren Stille ein. Gerade in einem festlichen Gottesdienst brächten Menschen ganz unterschiedliche Gefühle mit: Freude, Dankbarkeit, Sorge oder Trauer. Um Gottes Nähe und seine Stimme wahrzunehmen, brauche es jedoch Raum für Stille.
Als biblisches Beispiel erinnerte er an den Propheten Elia. Dieser habe Gott nicht im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer erfahren, sondern in einem „stillen, sanften Sausen“. Auch heute, so die Botschaft, komme Christus nicht laut und überwältigend, sondern tröstend, aufmerksam und zugewandt.
Die Bilder des geknickten Rohrs und des glimmenden Dochts seien zur Zeit des Propheten sehr anschaulich gewesen: Ein geknicktes Schilfrohr sei als unbrauchbar betrachtet und weggeworfen worden; ein Docht ohne Öl sei gewöhnlich gelöscht worden. Aber Gott handle anders. Er gebe Menschen nicht auf, sondern richte sie auf, schenke neue Kraft und entfache neu, was nur noch schwach glimme.
Diese Zusage gelte auch in persönlichen Krisen — etwa bei Krankheit, Sorgen in der Familie, beruflichen Veränderungen oder zerbrochenen Lebensplänen. Niemand werde von Gott auf seine Bruchstellen reduziert. Jeder Mensch bleibe als Ganzes von ihm gesehen, geliebt und getragen.
Barmherzigkeit, die neu beginnen lässt
In seiner Copredigt bezog Hirte Ernst Schütz das Bild aus dem Bibelwort auf das Leben in Ehe, Familie und Gemeinde. Er erinnerte an die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin. Jesus habe die Frau nicht verurteilt, sondern ihr Vergebung und einen neuen Anfang ermöglicht. Ebenso sei der verlorene Sohn im Vaterhaus nicht mit Vorwürfen empfangen worden, sondern mit Liebe. Diese Barmherzigkeit könne auch Ehen und Beziehungen prägen. Wenn das Feuer der Liebe nach vielen Jahren nicht mehr so sichtbar brenne wie am Anfang, müsse es nicht erlöschen. Zuwendung, Geduld, Vergebung und gemeinsame Zeit könnten helfen, Vertrauen und Nähe neu zu stärken.
Priesterin Ute Morlock richtete persönliche Worte an das Silberhochzeitspaar und die Gemeinde. Sie erinnerte daran, dass 25 gemeinsame Jahre Höhen und Tiefen einschlössen. Entscheidend sei, gerade an schwierigen Tagen nicht mit Vorwürfen zu reagieren, sondern einander in Ruhe zu begegnen. Sie zeichnete ein Bild von zwei Kerzen: Eine brennende Kerze könne eine andere entzünden. So könne auch Gemeinschaft gelingen. Wer wahrnehme, dass ein anderer kaum noch Kraft habe, könne ihm mit Zuhören, Nähe und stillem Dasein neue Hoffnung geben. Nicht immer seien viele Worte nötig; manchmal genüge die Botschaft: „Ich bin bei dir.“
Silberhochzeit unter Gottes Segen
Nach dem Abendmahl standen Christina und Stephan im Mittelpunkt. Apostel Opdenplatz erinnerte an ihre Hochzeit vor 25 Jahren und an wichtige Stationen ihres Familienlebens, darunter die Geburt ihrer beiden Kinder. Dabei verdeutlichte er, wie sehr das Miteinander der Familie von Vertrauen, Freiheit und gegenseitlicher Wertschätzung geprägt sei.
Für das Paar suchte er das Wort aus Offenbarung 2,19 aus: „Ich kenne eure Werke und eure Liebe und euren Glauben und euren Dienst und eure Geduld und ich weiß, dass ihr je länger, je mehr tut.“ Er würdigte damit ihren Dienst in Familie, Gemeinde und Alltag. Ihr Wirken, so betonte er, solle nicht als Leistung verstanden werden, sondern als Ausdruck von Liebe und Glauben. Die Worte „je länger, je mehr“ bedeuteten dabei nicht, immer mehr Aufgaben zu übernehmen. Vielmehr gehe es darum, mit wachsender Lebenserfahrung das Wesentliche im Blick zu behalten: mehr von dem zu tun, was wirklich trägt — Liebe zu schenken, Glauben zu leben, geduldig zu bleiben und anderen zu dienen.
Christina und Stephan hatten sich gewünscht, erneut gesegnet zu werden. Der frühere Segen ihrer Trauung sei nicht erloschen, so der Apostel; zugleich dürften sie Gottes Begleitung für die kommenden Jahre neu erbitten und empfangen.
Nach dem Gottesdienst hatten alle Anwesenden noch Gelegenheit, dem Jubelpaar ihr Glückwünsche entgegenzubringen und sich anlässlich eines kleinen Umtrunks noch einige Augenblicke in der Gemeinschaft auszutauschen.
1. September 2026
Text:
Gerhard Grapp
Fotos:
Lars Hedrich
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