Große Erwartung hatte die Vorbereitungen zum Gottesdienst mit Bezirksapostel Tshitshi Tshisekedi in Saarbrücken geprägt - und die wurde übertroffen. Über 6000 km liegen zwischen seinem Heimatbezirk Kongo Südost und dem Bezirk Saar-Pfalz. In seiner Muttersprache Lingála hätte ihn niemand verstanden. Und doch war es nicht der Besuch eines Fremden, sondern vertraute Gemeinschaft unter Gläubigen.
Rund 200 Gläubige hatten sich am Mittwoch, den 4. Juni 2025 in der Neuapostolischen Kirche in Saarbrücken zum Gottesdienst versammelt - fast die Hälfte davon sang im Projektchor, der eigens für diesen Abend zusammengekommen war. Bezirksapostel Tshisekedi hielt den Gottesdienst auf Englisch und wurde am Altar ins Deutsche übersetzt. Das Bibelwort las er aus Galater 3,27-28: "Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus."
Einleitend stimmte der Bezirksapostel die Versammelten auf das bevorstehende Pfingstfest ein. Er stellte die Frage, aus welchem Grund man das Fest feiere: Sei es nur eine Gedenkfeier oder ein lebendiges Bezeugen des Glaubens an den Heiligen Geist?
"Wir sind alle eins in unserem Herrn Jesus Christus", leitete er zum Bibelwort über und verwies auf das Gleichnis des wunderbaren Fischfangs, wie es im Lukas-Evangelium beschrieben wird (Lukas 5, Anm. d. Red.). Fische vielerlei verschiedener Art seien in dem Netz gefangen worden - dabei sei das Netz als Bild des Himmelreichs zu verstehen, so der Bezirksapostel. Trotz sozialer und kultureller Unterschiede ihrer Mitglieder sei es möglich, dass die Einheit der Kirche bewahrt werde. Abschließend forderte er die Zuhörenden auf, die Gabe des Heiligen Geistes einzusetzen, um für die Einheit der Kirche zu arbeiten. Die Kirche vereint und trotzdem vielfältig, das wünsche er sich für das bevorstehende Pfingstfest.
"Diese Einheit ist aus dem Glauben", unterstrich Bischof Pascal Strobel aus dem Bezirk Saar-Pfalz das Gehörte in der Co-Predigt. Er gab den Impuls in die Gemeinde, am kommenden Sonntag nicht mit leeren Händen zum Gottesdienst zu gehen wie zu einem Vortrag, sondern mit dem Herzen die Verbindung zu Gott zu suchen.
Jugendliche Neugier
Fünf Fragen hatten Jugendliche vorbereitet, um den Bezirksapostel und seinen Kirchenbezirk besser kennenzulernen. Das Interview wurde nach dem Gottesdienst auf Französisch geführt und für die Anwesenden übersetzt.
Wie die Kirche im Kongo aussehe und was dort vielleicht ganz anders sei als in Deutschland? Die Antwort von Tshitshi Tshisekedi setzte den Fokus auf die Gemeinsamkeiten - eine Lehre, ein Katechismus - und stellte die oberflächlichen organisatorischen Unterschiede als zweitrangig zurück.
Welche Herausforderungen er in seiner Arbeit sehe, wie Jugend in Afrika den Glauben erlebe, was ihn selbst in seiner Jugendzeit geprägt habe, was er jungen Menschen für ihren Glauben mitgeben würde, fragten die Jugendlichen weiter. Der Bezirksapostel antwortete geduldig mit einer Prise Humor. Mit Einfühlungsvermögen schuf er eine vertrauensvolle Gesprächsathmosphäre, in der kulturelle Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten zur Sprache kamen - stets mit Blick auf das Verbindende.
7. Juni 2025
Text:
Sandra Reiser
Fotos:
Gerhard Grapp
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