Die Geschichte der Grube Landsweiler-Reden geht zurück auf die frühe Entdeckung von Steinkohle im Saarland. Erste Funde wurden im 15. Jahrhundert im Raum Sulzbach verzeichnet. Als eigenständige Grube wurde Reden 1846 in Betrieb genommen – über 8000 Beschäftigte waren in den 1950er Jahren dort tätig. Energiekrise und Strukturwandel führte über viele Rationalisierungsmaßnahmen zum Rückzug aus dem Steinkohlebergbau, bis die Förderung in Reden Mitte der 1990er Jahren eingestellt wurde. Nach dem Ende der verbliebenen Nutzungen durch die RAG begann nach 2012 die Umwandlung des Geländes in ein Zentrum für Kultur, Freizeit und Umweltbildung. Dorthin machte sich am Donnerstag, dem 1. Mai 2025 eine 30köpfige Gruppe aus Saarbrücken auf.
Ein Bergmann durch und durch, ein Kumpel mit Herz und Seele: Uwe hatte selbst viele Jahre an genau diesem Standort gearbeitet. So nahm er die Saarbrücker an diesem strahlend sonnigen Mai-Donnerstag mit auf eine ganz besondere Führung durch den Erlebnisort. Mit Stolz, Wehmut und lebendiger Erinnerung rief er Vergangenes ins Gedächtnis und erzählte aus dem Alltag der Bergleute.
Andächtig wurde es angesichts der Denkmäler, die an zwei Grubenunglücke erinnern. Im Oktober 1864 ereignete sich eine Schlagwetterexplosion, bei der 35 Männer ums Leben kamen. Im Jahr 1907 fanden 150 Kumpel den Tod bei einer Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion – das schwerste Unglück in der Geschichte der Grube Reden. In friedlicher Atmosphäre, auf einer Wildblumenwiese zwischen den beiden Denkmälern, erklangen die Worte des Einfahrtgebets der Bergleute. Diakonin Alexandra Fries aus der Gemeinde Saarbrücken erläuterte, welch große Bedeutung dieses Gebet für die Bergleute damaliger Zeit hatte. Für seine verstorbenen Kameraden hatte Uwe ein Blumengebinde niedergelegt – „Glück auf – Euer Kumpel“ las das Band.
Weiter ging die Führung über das ehemalige Betriebsgelände, das viele interessante Motive für Hobby-Fotografen bot. Uwe erläuterte an verschiedenen Stationen, wie der Arbeitsalltag damals ausgesehen hatte und welche Technik zum Einsatz gekommen war.
Wasser und Natur
Beherrschte Industrie-Architektur aus Stahl und Beton den ersten Teil des Spaziergangs, stellten die Wassergärten einen reizvollen Kontrast dazu dar. In erster Linie nahm man die naturnahe Anlage der verschiedenen Becken wahr - Pflanzen wie Sumpfzypresse und Wasserlilie, Tiere wie Enten und Frösche, sprudelnde und dampfende Wasserläufe versetzten die Spaziergänger in Staunen. Doch auch der innovative Hintergrund des Wassergartens wurde erläutert: Er puffert das gesamte Regenwasser des Standorts, und das aus der Tiefe gewonnene 32 Grad warme Grubenwasser wird energetisch für die Heizung der Gebäude des Erlebnisortes genutzt.
Kurioses aus dem Nähkästchen
Einige Fun-Facts ließen die Zuhörenden schmunzeln. So bezeichnete der Begriff „buckeln“ im Bergmanns-Jargon nicht nur das Tragen schwerer Lasten, sondern auch das gegenseitige Rückenschrubben in der Waschkaue nach der Schicht. Unter Tage habe man sogar gegrillt, erzählte Uwe mit einem Zwinkern – Würstchen und Fleisch wurden in Alufolie verpackt auf den heißen Trafo gelegt. Auch das strikte Rauchverbot unter der Erdoberfläche machte erfinderisch: „Primtabak“ (ein einfacher, primitiver Tabak) wurde in Schnaps eingelegt und als Kautabak konsumiert.
Wie echte Bergleute
Ein typisches „Bergmannsfrühstück“ erwartete die Ausflügler im Bistro des ehemaligen Grubengeländes, bestehend aus einem Brötchen, einem halben Ring Lyoner mit Senf und einem Bier. Mit einem von Herzen gerufenen "Glück auf" wünschte man sich Guten Appetit.
Ein Teil der Gruppe machte sich so gestärkt zu einer weiteren Etappe auf und besuchte den nahe gelegenen Itzenplitzer Weiher.
5. Mai 2025
Text:
Sandra Reiser
Fotos:
Sandra Reiser
Medien:
Gerhard Grapp
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