Anlässlich des 85. Geburtstags von Bischof in Ruhe Wilfried Sommer richtet sich der Blick auf einen Lebensweg, der über viele Jahrzehnte hinweg eng mit dem kirchlichen Leben im Saarland verbunden war. Der folgende Beitrag zeichnet wichtige Stationen und prägende Aufgaben von Bischof Sommer nach und würdigt sein langjähriges Wirken in Seelsorge, Gemeindeleben und kirchlicher Verantwortung.
Wilfried Sommer wurde am 7. Juli 1941 in Saarbrücken geboren. Seine Kindheit war von den Kriegs- und Nachkriegsjahren geprägt. Schon früh wuchs er in einem neuapostolischen Elternhaus auf, was seinen weiteren Lebensweg nachhaltig beeinflusste. Die enge Bindung an Kirche und Gemeinde bildete von Anfang an einen wesentlichen Teil seiner persönlichen Prägung.
Nach seiner Konfirmation im Jahr 1955 trat Wilfried Sommer zunächst in das elterliche Geschäft ein. Im weiteren Berufsleben übernahm er in verschiedenen Unternehmen leitende Aufgaben und trug dort Verantwortung in organisatorischen und personellen Zusammenhängen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit blieb sein kirchliches Engagement über Jahrzehnte hinweg ein zentraler Bestandteil seines Lebens.
Im Jahr 1962 heiratete er Edith Thielefeld. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Der frühe Tod seiner ersten Ehefrau im März 1985 stellte einen tiefen Einschnitt dar. Noch im selben Jahr schloss er mit Brigitte Alt eine zweite Ehe, die seinen weiteren Lebensweg begleitete.
Vom Unterdiakon zum Bischof
Sein geistlicher Werdegang begann früh und entwickelte sich in stetiger Folge über mehrere Jahrzehnte. Nach den ersten Aufgaben in der Gemeinde wurde Wilfried Sommer 1958 zum Unterdiakon ordiniert, 1959 zum Diakon, 1961 zum Priester und 1972 zum Evangelisten. 1978 folgte die Ordination zum Gemeindeältesten. 1989 zum Bezirksältesten und 1992 schließlich zum Bischof.
Bis 1978 diente Wilfried Sommer in den Gemeinden Saarbrücken-Scheidt und Kleinblittersdorf-Sitterswald, in Sitterswald auch als Vorsteher. Mit der Ordination zum Gemeindeältesten übernahm er Verantwortung für die Gemeinde Saarbrücken. Nach der Ruhesetzung von Bischof Pfennig leitete er ab 1984 zusätzlich diese Gemeinde als Vorsteher. Mit der Beauftragung als Bezirksältester für den Bezirk Saarbrücken im Jahr 1989 weitete sich sein Aufgabenfeld nochmals deutlich aus. Im Jahr 1992 übernahm er als Bischof für das gesamte Saarland Verantwortung.
Bei seiner Ruhesetzung am 11. Februar 2007 in Ludwigshafen sagte Stammapostel Leber: „Sie haben sich immer als ein Knecht Gottes verstanden, haben mit ganzem Herzen gedient, sich den Geschwistern in Not zugewandt und versucht, Brücken zu bauen, wo vielleicht der Frieden verloren gegangen war. Sie waren ein Beispiel im gläubigen Aufschauen zu ihren Segensträgern.“
Seelsorge und persönliche Zuwendung
Ein besonderes Kennzeichen seines Wirkens war die konsequente Ausrichtung auf Seelsorge und persönliche Zuwendung. Auch in einem geografisch weit gefassten Arbeitsbereich nahm Wilfried Sommer regelmäßig Besuche in Gemeinden, Krankenhäusern und bei einzelnen Gemeindemitgliedern wahr. Die Bereitschaft, Menschen in schwierigen Lebenssituationen aufzusuchen und geistlich zu begleiten, prägte seinen Dienst in besonderer Weise.
Zu den bleibenden Akzenten seines Wirkens zählt auch die Einführung regelmäßiger Gottesdienste in einem Altenheim in der Saarbrücker Trifelsstraße. Ausgehend von der Beobachtung, dass älteren Menschen dort die gottesdienstliche Begleitung fehlte, setzte er sich für die Durchführung entsprechender Angebote ein. Über viele Jahre hinweg entstand auf diese Weise ein verlässlicher geistlicher Ort für Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses.
Darüber hinaus engagierte sich Wilfried Sommer in besonderer Weise in Zeiten gesellschaftlicher Veränderung. Als Aussiedler aus den Staaten der ehemaligen UdSSR sowie Asylsuchende ins Saarland kamen, begleitete er die kirchliche Arbeit in diesem Umfeld mit großem Einsatz. Zusätzliche Gottesdienste, seelsorgerische Kontakte und die Integration neuer Gemeindemitglieder gehörten in dieser Phase zu seinen wesentlichen Aufgaben.
Verantwortung für bedeutende Bauprojekte
Neben der seelsorgerischen Arbeit übernahm er auch Verantwortung in organisatorischen und baulichen Fragen. Hervorzuheben ist insbesondere sein Einsatz im Zusammenhang mit der Senioren-Wohnanlage in Güdingen. Die Umsetzung dieses Projekts erforderte umfangreiche Abstimmungen mit Behörden, Bauverantwortlichen und der Kirchenverwaltung. Wilfried Sommer begleitete diese Prozesse mit hohem persönlichem Einsatz und trug wesentlich zur Realisierung des Vorhabens bei.
Auch das Freizeitgelände „Bübinger Wiese“ ist mit seinem Namen verbunden. Aus einer zunächst brachliegenden Fläche entstand durch gemeinschaftlichen Einsatz ein Ort kirchlicher Begegnung. Wilfried Sommer gehörte zu den entscheidenden Initiatoren dieses Projekts und wirkte daran mit, die Voraussetzungen für einen langfristig nutzbaren Treffpunkt für Gemeindemitglieder und Familien zu schaffen.
Ansprechpartner für alle Altersgruppen
Sein Dienstverständnis war dabei nicht auf einzelne Altersgruppen oder Aufgabenfelder begrenzt. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Seniorinnen und Senioren gehörten gleichermaßen zu den Menschen, denen seine Aufmerksamkeit galt. In Gottesdiensten, bei Veranstaltungen und in persönlichen Begegnungen war er über viele Jahre hinweg eine verlässliche Präsenz im kirchlichen Leben der Region.
Auch nach seiner Ruhesetzung blieb Wilfried Sommer der Kirche eng verbunden. Er nahm weiterhin aktiv am Gemeindeleben teil und brachte sich insbesondere im musikalischen Bereich ein. Als Chorsänger wirkte er in verschiedenen Formationen mit und blieb damit auch im Ruhestand in die Gemeinschaft eingebunden.
Der Lebensweg von Wilfried Sommer steht exemplarisch für ein langjähriges kirchliches Engagement, das von Beständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und seelsorgerischer Verbindlichkeit geprägt war. Seine Biografie verbindet persönliche Lebenserfahrung, berufliche Verantwortung und jahrzehntelangen geistlichen Dienst. Damit ist sie zugleich ein Stück regionaler Kirchengeschichte, das weit über die Grenzen einzelner Gemeinden hinausreicht.
Broschüre zum 80. Geburtstag
Zu seinem 80. Geburtstag erstellte Hirte in Ruhe Peter Josutis eine 20-seitige Broschüre mit einem liebevollen Rückblick auf das Leben und Wirken des Bischofs. Der vorliegende Artikel wurde als Extrakt dieser Broschüre erstellt. Auch die Bilder wurden dem Dokument entnommen. Die Broschüre ist als Download beigefügt.
Bischof Sommer während eines Gottesdienstes in Saarbrücken
6. Juli 2026
Text:
Peter Josutis,
Redaktion
Fotos:
Peter Josutis
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