Am ersten Sonntag im Oktober wird vielerorts traditionell das Erntedankfest gefeiert. Beim Betreten des Kirchenraums in Saarwellingen wurden die Gottesdienstbesucher von einem reichhaltig dekorierten Altar auf das Fest eingestimmt. Die Altarstufen waren mit Obst, Gemüse und Feldfrüchten geschmückt. Der festliche Altarschmuck sollte die Betrachter zum Innehalten bewegen und bewusst machen, dass es nicht selbstverständlich ist, eine solche Vielfalt zu haben.
Der Bibelvers aus Kolosser 3,17 bildete die Grundlage dieses Erntedankgottesdienstes am 5. Oktober 2025: „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn."
Zum Auftakt des Predigtteils sang der Gemeindechor ein Danklied: „Gott beschenkt uns reich mit Gaben. Dank sei dir, Gott! Dass wir satt zu essen haben. Dank sei dir, Gott! Pflügen, säen: still verborgen wächst schon heut das Brot für morgen. Schaffen, schlafen ohne Sorgen. Dank sei dir, Gott!“
Der Gemeindevorsteher, Priester Uwe Heuser, leitete den Gottesdienst und nutzte den vorgetragenen Liedtext als willkommene Einleitung zur Predigt. Der Ursprung des Erntedankfests liege in einem alten christlichen Brauch. Gott werde für die Ernte und alle Lebensgaben Dankbarkeit entgegengebracht. Das Fest diene als Erinnerung daran, dass der Mensch von der Natur und den Lebenszyklen abhängig sei, die Aussaat, Wachstum und Ernte bestimmen. Jedes Leben sei ein von Gott gegebenes Geschenk, das man nicht für selbstverständlich halten solle. Diese Einsicht demütige und ermahne, der Natur mit Fürsorge zu begegnen. Dankbarkeit trage dazu bei, das Gemeinschafts- und Gabenbewusstsein zu stärken, führte der Vorsteher aus.
In der heutigen, modernen Zeit werde die Reichhaltigkeit der Einkäufe nicht mehr von Jahreszeiten und Wetterbedingungen bestimmt. Es stehe sozusagen jederzeit alles uneingeschränkt zur Verfügung. Einige Fragen stellte Priester Heuser: Sei man heute auch noch dankbar, wenn man im Geschäft die Lebensmitteleinkäufe erledigen und vor gut befüllten Regalen stehen könne? Oder nehme man dies sogar als etwas Selbstverständliches an? Komme vielleicht sogar Ärger hoch, wenn es ausnahmsweise eine Mindermenge oder gar einen Mangel gebe? Vielen Christen sei bewusst, dass es zu jeder Zeit einen Anlass gebe, Gott dankbar zu sein, nicht nur einmal jährlich zum Erntedankfest. Zu Erntedank gelte es, Gott einen besonderen Dank aussprechen. Dankbarkeit könne man empfinden für das irdische und das ewige Leben, die Erwählung, die Unterstützung, die Hilfe und den göttlichen Segen, so Priester Heuser.
In der Co-Predigt fügte Diakon Justus Strobel hinzu: „Wir danken Gott durch unsere persönliche Anwesenheit und die Gemeinschaft.“ Er schlug vor, in der nächsten Zeit nicht auf die übliche Art zu beten und gängige Floskeln zu verwenden. Stattdessen könne man sich bemühen, im Gebet tiefsten Dank auszudrücken, der aus vollem Herzen komme. Die Wortwahl dazu wolle wohlüberlegt und mit Bedacht gewählt sein.
Priester Dirk Ising ergänzte den Predigtteil mit besonders an die Kinder gerichteten Ausführungen zur Dankbarkeit.
Nach dem Gottesdienst waren alle Anwesenden eingeladen, in Gemeinschaft zu verweilen. Passend zum Erntedankfest gab es dazu Gemüsesuppe. Die Kinder der Gemeinde verteilten Äpfel an alle Anwesenden.
Wie auch in den Vorjahren fand im Rahmen des Erntedankfestes eine Spendenaktion unter dem Motto „Teilen der Gaben“ statt. Es erfolgte eine Sammlung und Weitergabe von haltbaren Lebensmitteln an Bedürftige.
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